Zum Törn der Knall-Vettern geladen, besteigen wir mit Unbehagen das Flugzeug Frankfurt-Dalaman: Sicherheit wird groß geschrieben, X Kontrollen hüben wie drüben! Doch klappt es reibungslos und glatt, und man ist froh, wenn Grund man unter’n Füßen hat! Und bald ist es dann soweit: Wir lernen kennen Götz und Veit. Den Dolmus hab’n mit Vorbedacht Klaus und Werner mitgebracht. Doch dann wird allerseits bemerkt: Wo steckt denn nur der Heribert? Wir suchen, warten, schwärmen aus, da hören wir – oh Schreck, oh Graus! Dass Herbert hoppgenommen vom Gendarm, weil trotz zivilasionsweitem Alarm man fand ein Messer im Gepäck! Ja, nun ist es eben weg! Doch Herbert da triumphiert: „Juchuhh“, das zweite hab ich noch im Schuh!“ — Der Dolmus bringt uns zu dem Schiff, mit dem wir soll’n vorbei an Riff, an Buchten, Bergen, schönen Stränden, mit Winden, Flauten, Halsen, Wenden; mit Fock und Genua, Blister und Groß, bis in den Segelhafen Schoß. Es gilt zu kennen Fall und Schoten, zu lernen die verschiedenen knoten, Anker heben, Anker werfen, Segel setzen, bergen, reffen, Schoten dicht nehmen und fieren, kurzum die Yacht zu maneuvrieren. Steuer-, Putz- und Kochdienst machen... Mancheinem vergeht das Lachen! — Doch wie die Milch per Zentrifuge Sich trennt in Buttermilch und Fett, zerfiel die neue Crew am Buge, gut durchgeschüttelt auch im Bett, bald auch in drei getrennte Schichten: die einen die erzählen Geschichten; die zweiten, die rein alles können, und kaum sich eine Siesta gönnen; die dritten, willig und bereit, doch fehlt‘s an Kraft und Schnelligkeit.. Zuletzt macht jeder, was er kann, natürlich müssen alle ran! Dabei macht sich der Captain Götz Als besten Lehrling schnell zunötz! — Der Captain schwärmt von seinem Boot! Gefordert ist er von der Not. Wenn andre längst mit Motor fahren Und sich wie Feiglinge gebahren, refft er das Groß und lässt es rauschen, dass sich wild die Segel bauschen; und ruft begeistert: „Ist’s nicht hehr so zu gleiten übers Meer!“ Nicht mal im Schlaf gibt es ihm Ruh! Kaum macht er die Augen zu, verlängert sich sein Ohr nach draußen, um auf Seemännisches zu lauschen: Wie schlägt das Wasser? Was zeigt das Lot? Wie dreht der Wind? Wie liegt das Boot? Wie hält der Anker? Wie stark die Line? Früh morgens wenn der Schlaf so fein, klappert er wach uns mit dem Kessel... Lang hält’s ihn nicht auf seinem Sessel! „Auf, ihr Leut‘, das Boot will segeln! Wir sind nicht hier um rumzukegeln!“ — Werner ist ein wicht’ger Mann, auf den die Crew fest bauen kann! Wenn er beim Schlafen dann und wann ‚ne kleine Pause machen kann, vermeldet er die Zahl der Knoten, oder erzählt uns Anekdoten. Werner schneidet gerne auf; Das wissen wir inzwischen auch! Mit appetiterfüllten Fingerspitzen Lässt er das scharfe Messer blitzen, um aufzuschneiden, -hacken, -würfeln, Käse, Zwiebeln, Knoblauch, Trüffeln, und vor allem die heil’ge Wurst! Mit Kaffee stillt er seinen Durst... „Müsli“, schimpft er, „diese Kleie! Sowas isst nur wer ein Laie!“ Sind alle satt, das G’schirr verräumt, er schon vom nächsten Festschmaus träumt: „Hört mal, Leute, dann und wann könnt‘ man kochen ‚nen Ciolan! Ob mit Tomaten, Bohnen, Reis, der schmeckt doch besser als Eierspeis! Was soll das ewige Getöse Vom hochgepriesenen Gemöse!“ — Die „mezel“ sind attraktiv, doch Werner fühlt es instinktiv, dass sie den Gaumen nur erst reizen um an – den Appetit zu – heizen. Drum scannt mit Kenneraug‘ sofort Er die Gaststätten im Ankunftsort. Sobald er dieses hat vollbracht, er sich’s am Tisch gemütlich macht: „Tag, Effendi, bring ‚nen Raki! Und zum Kebab das Kirmizi!“ Kompetent prüft er den Würz‘ Der Kellner blickt darein bestürzt... Werner hebt den kleinen Pot: „This is not good, bring some more hot!“ Flämmchen schlagen aus Ohr und Schlund, der Kellner staunt mit off’nem Mund. Werner zuckt nicht mit der Wimper: „Ist gar nicht scharf, bedient euch, Kinder!“ Erst zögerlich, dann immer mehr, wir machen’s nach dem Werner: Zu Shish, Kebab, Imambaildi Ertönt der Schlachtruf: „Kirmizi!“ — Erfahrung, Kraft, Entschlossenheit Zum Segeln hält der Götz bereit. Witzig und frech, er spöttelt gern, hat er doch ‚nen guten Kern. Sportlich, zäh und wetterhart! (Er dient uns auch als Kassenwart). Ankerkette, großes Segel, Paddelboot und Treibölpegel... Alles weiß und kann und soll er! Doch manchmal kriegt er einen Koller: Auf seinem Bette macht sich breit Mit nassem Badezeug der Veit! Der Herbert , der mit ihm im Team, lässt sogar das Spülen ihm! — Und das Messer, wegen dessen Er fast hätte im Knast gesessen, er nie aus seinem Schuh rausnahm, es nie zum Kücheneinsatz kam! Er kann nicht nur nicht alles essen, (für Werner ein gefund’nes Fressen!) verträgt nicht leicht das Leben an Bord, verabscheut Scharfes, in Speis‘ und Wort! Doch nahe liegt uns der Verdacht, dass unser Herbert in der Nacht sich übers Kirmizi gemacht, sich aufzupeppen, einzustimmen für sein täglich‘ Morgenschwimmen: Wenn das Licht des Tages graut, dem Meere er sich anvertraut. Mit Badehaube, nackt, mit Flossen Hinunter steigt die Leitersprossen. — Von den vier Vettern war der Veit Zum Steuern immer gern bereit. Verklicker stets genau im Blick, steuert die Yacht durch dünn und dick. Der Captain kann ruhig schlafen geh’n, weiß er den Veit am Steuer steh’n. Der Barbara, naive Suse, erklärt er die „Hypothenuse“, dass sie versteht, wie richtig Wanten den Winkel halten zu den Kanten, und wie bei festgezurrten Schoten die Yacht erreicht die meisten Knoten! Als Küchenchef wusst‘ er nicht sicher, ob für Geschirr oder Klo die Tücher... — Der Pauli und die Barbara Die war’n zum ersten Male da. Verblüfft, gefordert und seekrank, sie saßen öfter auf der Bank... Umsonst wollt‘ Pauli Fische fang‘, die Angel brachte hoch nur Tang. Sein Tatendrang gedämpft von Schwindel, die Knie von Übelkeit wie Windel‘, muss er bei Sturm auf Vieren kriechen, das Klo, das kann er nicht mehr riechen! Doch ruht es nun das Meergeheuer, steht er auch gern wieder am Steuer! — Die Barbara, die Barbara Die ist als einz’ge Fraue da. Sie möchte‘ kein Spielverderber sein, doch bald sieht sie es selber ein, sie hat nicht Kraft noch das Geschick sofort zu können jeden Trick.. Am liebsten sitzt sie oben an Deck, in Gedanken ganz weit weg, genießt die Brise, ‚s Licht, die Ruh, möchte‘ weitersegeln immerzu... Doch wehe, wenn sich zeigt ein Hafen, und es heiß jetzt Segel raffen! Auf nassem Deck bei Wind und Wettern Vor Kält‘ und Schwindel muss sie zettern! Denn „Segel bergen“ ruft der Klaus (sogar der Werner muss heraus!), das heißt, man muss, egal wie’s bläst, an den Baum es zurren fest, und da steh’n auf sich’ren Beinen, abgesichert mit der Leinen, Kraft anwenden, gezielt, geschwind, gar nicht wanken bei Gischt und Wind! Ein Liegeplatz wird angepeilt, jeder muss ran, es drängt, es eilt! Alle kommen jetzt ins Schwitzen: Die Fender müssen richtig sitzen, der Platz ist eng, ein Fehler teuer, jede Hand breit zählt am Steuer! — Nach harter Arbeit will man ruh’n, sich selber auch was Gutes tun: Maneuvertrunk und Abendessen... Bald schläft die Crew wie weltvergessen... Im Schein von Silberperlmutt- Licht, vergossen von des Mond’s Gesicht, die Bucht erstrahlt in stiller Pracht, man hört den Atem nur der Nacht. Das Wasser schmust mit weichen Lippen, die Yacht seufzt leise vor Entzücken... Mit sterngeschmücktem weich Geschmeide, umspielt das Wasser sie wie Seide. Das Gurgeln, Zischen, Brausen, Schlagen Sind wie vergess’ner Streit begraben. Doch morgen, wenn der Tag anbricht, die Yacht sich wieder stellt der Gischt, zu messen Grazie, Witz und Mut mit des Wassers blinder Wut; des Windes Kraft für sich zu zügeln, behend zu gleiten wie auf Flügeln... — Doch diese Kunst verdankt sie nur Ihres Skippers Klaus Bravour! |